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Nachricht 1829
von dem im Jahre 1785 vorgefundenen Nachrichten schließen auch wir, die für uns wichtig erlebte Zeitepoche hiermit an.
1. Seit der vorerwähnten Zeit haben wir 4 Landesherrn gehabt, nemlich:
a) im Jahre 1802, wurde der Fürst-Bischof Franz Egon zu Hildesheim, durch Preußen, welches unser liebes Fürstenthum einnahmen, selbiger als Fürst, in Ruhe gesetzt; wo wir unter Preußens Scepter Friedrich Wilhelm den 3ten kamen, und zwar
b) bis 1806 zu der Zeit, für Preußens unglückliche Schlacht bey Jena am 14ten October 1806, zwischen Preußen und Frankreich, welches die Einleitung zur Westphälischen Regierung wurde. Wo der große Weltbestürmer Napoleon, seinen Bruder den Kaufmann Napoleon Hieronymus, gebürtig von der Insel Corsica, uns zum Westphälischen König gab. Einquartierungen, Lieferungen, Kriegesführen, sonstige Kontributionen und Lasten hörten nicht auf bis
c) zu der unglücklichen Schlacht für die Franzosen bei Leipzig, am 18. October 1813; wo Rußland, Preußen Östreich den großen Weltbestürmer Napoleon, nebst seinen verruchten Haufen den Franzosen, und gemachten König, aus Deutschland verjagten. Die Menschheit wieder frei sprachen, und Bonaparten nach Elba am 3ten April 1814 und Ludewieg den XVIII gesetzt, entsetzten. Anfang Hannoversche Zeit.
Am 1sten Maerz 1815 entlief derselbe wieder von Elba, und hielt seinen Einzug als Kaiser von Frankreich wieder in Paris. Der König wurde verjagt, Rußland Preußen, England und Östreich vereinigten sich jetzt im Bunde und es war:
d) 1815 den 18ten Juny wo die allbeglückende Schlacht bei la belle Alleance (Waterloo) war. Die Franzosen völlig geschlagen, und ein allgemeiner Friede begründet. Der in der Geschichte stets merkwürdige große Kaiser Napoleon Bonaparte aber nach der Insel Helena geführt, wo er 1821 den 5ten May starb.
e) Von 1813 den 18ten October haben wir ruhig, bis heiter unter den Scepter des Königs von England und Hannover unsers geliebten Königs Georg III und gegenwärtig Georg IIII glücklich und in Ruhe gelebt. Im Jahre 1814 ist das Churfürstenthum Hannover zum Königreich erhoben.
2. Im Jahre 1819 und 1820 haben wir unsere Äkker zusammen gelegt und vermeßen. Wo Wege, Graben zu Land und Land zu Wege wurden; alles ging kreuz und quer, und jetzt erst kostete es (außer den bedeutenden baaren Gelde) Menschen und Pferdeknochen. (Lippensworte) Eine neue Schöpfung entstand in dieser Art von Wehre. Aber mit Gott ging jeder an das große Werk, und der Vater alles Segens gab sein Gedeihen dazu.
3. Am 11ten July 1824 war es, wo ein fürchterliches Hagelwetter jedoch, von west nord kommend, unsere Fluren heimsuchte, und bis Dehnekampffeld (Brachfeld), Degenkampfs- (Sommerfeld) und Oberdorfsfeld (Winterfeld) die ersten fast ganz, und Letzteres einen großen Theil, in einem Zeitraum von 1/4 Stunde zernichtet darnieder warf; so daß fast keine Spur von den so schön prangenden Braachfrüchten zu finden war. Saat und Futterkorn mußte gekauft werden, und es that gegenwärtig noch Manchen weh. Jedoch ließen die Einwohner ihr Vertrauen auf den segnenden Vorsorger nicht sinken, und in diesem Jahre war es, wo auf Antrieb des Schullehrers (was schon früher beschloßen war) der Bau der ersten Orgel zu Ehren unseres Tempels vollzogen wurde. Welche nebst Prieche 200 rthl gekostet, und die Kirche dazu 50 rthl geschenkt hat. Auch in diesem Jahre, ist wieder etwas verhagelt, aber so wie 1814 unbedeutend.
4. An unglücklichen Ereignißen bemerken wir noch:
a) das 1626 im 30jährigen Kriege das Oberdorf, nebst Kirche abgebrannt sein soll.
b) Etwa 1754 ist des Kothsaß Christian Schachts Hof abgebrannt.
c) Thielen, jetzt Weschen Hof, ist von den Erstgenannten selbst im Jahre 1809 angezündet.
d) Diedrich Ehlers ist im Jahre 1823 mit dem Pferde geschleift.
e) Den 11 Junii ist, wo die Bäume auf dem Allfelde stehen ein Schäfer von Kl. Döhren namens Elberling vom Blitz erschlagen. Der Schäfer Mund von hier, welcher neben ihm gestanden und betäubt zur Erde gesunken ist, hat die Bäume zum Andenken gepflanzt.
f) 1828 den 19ten October wurde im Degenkampe ein Fleischer namens Gattermann weil er ein Schaaf aus dem Hürden entwendet, von dem Lämmerknecht Christoph Rademann von hier erschlagen. Wofür Letzterer 6 Jahre Karrenstrafe erhielt, weil er sich selbst schlecht vertheidigt hatte.
5. 1805 hat der Hmth Rocken 4 rthl, und 1826 8 ggh gekostet.
6. In diesem Jahre haben wir einen naßen Sommer, und sehr naßen Herbst gehabt, so daß beim Sommerkorn möhen, das Waßer erst hat müßen abgegraben werden, an vielen Stellen, um so wohl zu mähen, als die Schwate heraus harken zu können. Das Korn ist natürlich viel ausgewachsen, und naß eingescheuert. Am 3ten October ist hier der letzte Hafer eingefahren, und seit den 10ten November ist es völlig Winter geworden.
7. Das Kirchendach nebst Thurm wurde in diesem Jahre, von dem Schieferdeckermeister Andreas Paulmann aus Goslar, und deßen Gehülfen Schele und Minor, neu gedeckt. Die sämtlichen Kosten wurden aus dem Kirchen Aerario bestritten. Den Knopf nebst Fahne hat die Gemeinde aus freiwilligen Beiträgen, für diesmal; weil künftiges Jahr wieder von der Kirche neue Fenster, Thür gemacht werden sollen, geleistet. Auch sind die Schieferdecker von einigen Einwohnern aus Güte einige Tage gespeist. Der Maler Willich hat denselben nebst Fahne für 20 rthl vergoldet.
8. Derzeitiger Prediger zu Wehre und Schladen ist Herr J. G. C. Reiche aus Breinum gebürtig. Der Schullehrer Friedrich Junecke aus Hornburg. Der Bauermeister ist Andreas Haaße von Kl. Mahnert, Ortsvorsteher ist Akkermann Daniel Fricke und der Krüger Andreas Samplebe, Altarist Daniel Fricke und A. Samplebe desgl. Kirchenmeyer ist Christoph Becker und A. Samplebe sowie der Halbspänner Christoph Crome.
Nun der Gott! der uns und unsere Väter bisher erhalten, gesegnet und beschützt hat; der nehme ferner unseren Ort, Kirche, Schule und Gemeinde in seinen väterlichen Schutz und Schirm.
Ja! Gottes Frieden und Segen sei mit uns unsern Kindern Amen, Amen.
Wehre am 21ten November 1829
Siegel FHAJ
gez. FHA Junecke
Schullehrer
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