|
Jahr 1829
Nachträglich der Nachrichten und Bemerkungen, welche bei Gelegenheit der in diesem Herbste vorgenommenen höchstnotwendigen Kirchendachs- und Thurm-Reparatur, von dem Schullehrer Herrn Junecke in dem neu vergoldeten Thurmknopfe verwahrlich niedergelegt worden, wird noch hinzugefügt.
1. Die Ortschaft Wehre, gegenwärtig ohngefähr 260 bis 270 Seelen enthaltend, gehört seit 1914 unter die Jurisdiction des Königlichen Hannoverschen Amtes Vienenburg, als mit welchem das vormalige Domcapitularische Amt Wiedelahe, dem die Gemeinde in früheren Jahren anghörte, vereinigt wurde. Der Sitz des Amtes ist Vienenburg und das hiesige Amtspersonale besteht aus folgenden Personen:
a) Herr Cludius, Amtmann 1ster Beamter, aus Hildesheim gebürtig wohnt zu Wöltingerode, ist evangelisch.
b) Herr Gericke, Amtsvorsteher, 2ter Beamter, aus Hildesheim gebürtig, wohnt zu Vienenburg, ist catholisch.
c) Herr von Lochausen, Amtsvorsteher, 3ter Beamter, von Adenstedt im vormailigen Amte Vienenburg, wo dessen verstorbener Vater Amtmann gewesen, gebürtig, wohnt zu Wöltingerode, ist catholisch.
d) Herr Simin, Hausvoigt, wohnt zu Vienenburg, ist evangelisch.
2. Im Jahre 1812 sind 4 Jünglinge aus der hiesigen Gemeinde, nämlich 1. Wilhelm Crome, Sohn des weil. Halbspänners Edmund Crome, 2. August Voß, Sohn des weil. Ackermann Daniel Voß, 3. Christoph Voges, Sohn des weil. Kothsaßen Andreas Voges, und 4. David Thiele, Sohn des weil. Halbkothsassen und Schmiedemeisters David Thiele, ersterer unter der Cavallerie und die 3 letzteren unter der Infantrie, in dem damaligen Französisch-Russischen Kriege als Couso????? der Königlich Westphälischen Armee mit nach Rußland und ist von den erlittenen Schicksalen derselben, gleich denen, welche aus sovielen anderen Oertern unseres deutschen Vaterlandes jenen Heereszug haben mitmachen müssen, nicht die mindeste Nachricht bekannt geworden.
3. Im Jahre 1818 vom 1sten Septbr. an ist, nach allerhöchsten Königlichen Verordnung vom Julius desselben Jahres, das zu Hildesheim bestandene Consistorium A.C. nachdem dasselbe in seiner Tätigkeit 166 Jahre seit dem 12ten Maerz 1652 fortgedauert hatte, mit dem Königl. Hannoverschen Consistorio zu Hannover vereinigt, und war der letzt Geistliche Rath desselben der am 23ten Maerz 1828 zu Alfeld, als Consistorialrath und Generalsuperintendent, wie auch Pastor primarius daselbst verstorben Herr Dr. Theol. Friedrich August Brackmann, dessen unermüdeter und ruhmvolle Thätigkeit für das Wohl und Gedeihen der evangelischen-protestantischen Kirche auch die Richtung, Gründung und Beförderung des, für das Schulwesen sehr nützlich und wohlthätig wirkenden Schullehrer-Seminars zu Alfeld im ersten Anfange als Bildungs-Institut für angehende Schullehrer, zu ???????, nachher einige Jahre zu Salzdethfurth zu verdanken ist.
4. Im Jahre1817 am 31sten Oct. und 1sten Novbr. ist in dem evangelisch-protestantischen Antheile des Fürstenthums Hildesheims, und also auch hier zu Wehre das 300 jährige Reformations-Jubiläum feierlichst begangen worden.
5. Im Jahre 1826 ist, nach dem im Jahre vorher erfolgten Ablebens des Superintendenten Feyerabend zu Salzgitter die frühere schon bestandene geistliche Inspektion im Ockerthal neu errichtet oder vielmehr wieder hergestellt worden und ist gegenwärtig Superintendent und Epharus derselben Herr Pastor J. G. Haarmann zu Vienenburg. Es gehören zu dieser Inspektion die sämmtlichen Oerter der Aemter Vienenburg und Schladen.
6. Im Jahre 1823 ist zu Schladen auf Kosten der dasigen Gemeinde, sowie durch eine milde Unterstützung von Seiten der Landes-Regierung und an Vorraths- und Butter-Collecten, ein neuer Thurm erbauet, auch im folgenden Jahre beide Glocken bei der damaligen ?????? in Hildesheim umgegossen worden, wie denn früher, und zwar im Jahre 1807, auch die größere Glocke hier zu Wehre bei dem damaligen Glockengießer Hn. Becker zu Hildesheim, auf Kosten der Gemeinde und durch Unterstützung des Kirchen-Arivarii, ist neu ausgegossen und im Gewicht verstärkt worden.
8. Im Jahre 1827 am 11ten Oct. abends 7 Uhr, brach zu Schladen auf dem Hofe des Halbspänners Heinrich Crome eine schreckliche Feuersbrunst aus, wodurch die Gebäude des gedachten Hofes, ferner die des benachbarten Rüheschen Hofes, wo auch der junge Hausherr in den Flammen umgekommen, die Scheune auf dem Linkschen Hufe, und die Gebäude auf dem Zürnschen Kothhofe, sämtlich in der Nähe der Kirche, Pfarre und Schule gelegen, völlig eingeäschert wurden.
9. Der letzte regierende Fürst-Bischof von Hildesheim, Freiherr von Fürstenberg aus dem Hause Herdringen Franz Egon starb am 11ten August 1825, und wurde nachher zum Bischofe der cathol. Diöcese Hildesheim Herr Joseph Godehard Oxhauer, Dechant des St. Moritz Stifts, erwählet und bestätigt.
Nun Gott der Allmächtige und Allgütige erhalte, schütze und segne mit seinen reichsten und väterlichsten Segnungen unsere ganze liebe Gemeinde Wehre, und laße ungestörte Ordnung, beständige Ruhe und wohltätigen Frieden in derselben herrschend sein.
Amen, Amen.
Schladen wegen Wehre den 14.Nov. A.D. 1829
gez. JGC Reiche
p. t. Pastor
|