Wehrer Historische Dokumente


Wehre, d. 7. August 1963

Gelegentlich der Erneuerung des Kirchendaches und der Neuvergoldung des Turmknopfes möchte ich als Mitglied des Kirchenvorstandes die Gelegenheit benutzen, um den vorgefundenen Schriftstücken etwas hinzuzufügen.
Am 23.7.1893 wurde ich in Göddeckenrode geboren. Mit acht Jahren kam ich nach Wehre zu meinem Onkel Heinrich Beck, dessen Ehe mit der Schwester meiner Mutter kinderlos war. Er hatte einige Jahre zuvor den Kothof Nr. 29 erworben und war als Maurer und Hausschlachter tätig. Im Jahre 1923 heiratete ich Martha Peters, Tochter des Landwirts Friedrich Peters in Rhoden. Durch Sparsamkeit und Fleiß war es uns möglich, Acker und Wiese hinzuzukaufen, die Gebäude zu vergrößern und 1927 eine Feldscheune zu errichten. Unserer Ehe entstammen zwei Kinder. Der Sohn Heinrich fiel 1944 in Holland als Soldat. Die Tochter Marga heiratete 1951 den Landwirt Peter Sauermann. Da die Hofstelle für die bewirtschaftete Fläche zu klein wurde und keine Ausdehnungsmöglichkeit vorhanden war, entschlossen wir uns 1958 zur Aussiedlung. Durch zinsverbilligte Gelder des Staates wurde diese Maßnahme ermöglicht. Den Bauplatz am Südrand des Dorfes in unmittelbarer Nähe der Feldscheune konnten wir durch Landtausch erwerben. Am 1.9.1959 zogen wir in die praktischen und modernen Gebäude ein. Vier gesunde Großkinder wachsen zu unserer Freude heran.
Von unserer Heimat sind wir seit Kriegsende durch die Zonengrenze getrennt. In den letzten Jahren ist sie durch Stacheldraht und Minen unpassierbar gemacht worden und wird auf östlicher Seite streng bewacht. Dennoch gelingt einzelnen die Flucht in den Westen, mancher mußte dabei auch sein Leben lassen.
Am 13. August 1961 wurde in Berlin Ost- und Westsektoren eine Sperrmauer errichtet. Nur wenige Übergänge sind unter scharfer Bewachung für Besucher offen.
Möge Gott geben, daß Deutschland wieder zusammen kommt und wahrer Frieden werde.

Gez. Friedrich Kampe